In der Studie von Diego Dametto, Stefanie Hechler und Christian von Scheve wurden emotionale Reaktionen von mehr als 5.500 Menschen in Deutschland analysiert. Grundlage war eine nicht-repräsentative Stichprobenerhebung vor der Bundestagswahl 2021, welche über soziale Medien rekrutiert wurde.
Politische Polarisierung entsteht nicht nur durch unterschiedliche Meinungen – auch Gefühle spielen eine zentrale Rolle. Besonders bei den Themen Klimawandel und Asylpolitik bilden sich in Deutschland politisch klar abgegrenzte Meinungsgruppen, deren Mitglieder nicht nur ähnliche Positionen vertreten, sondern auch ähnliche Emotionen teilen.
Das Forschungsteam zeigt in der Studie mehrere Mechanismen, die politische Spaltung verstärken:
Emotionale Übereinstimmung innerhalb von Gruppen
Mitglieder stark polarisierter Meinungsgruppen nehmen ihre Gefühle als besonders ähnlich wahr. Gegenüber Andersdenkenden dominieren negative Emotionen wie Ärger, Ekel oder Verachtung, während gegenüber der eigenen Gruppe häufiger Freude empfunden wird.
Emotionen als Motor der Gruppenbildung
Die wahrgenommene Übereinstimmung von Gefühlen stärkt das Wir-Gefühl innerhalb politischer Lager und verstärkt die Abgrenzung zu anderen Gruppen. Emotionale Wahrnehmungen tragen damit wesentlich zur Dynamik gesellschaftlicher Polarisierung bei.
Soziale Sortierung politischer Lager
Polarisierte Meinungsgruppen unterscheiden sich auch sozial – etwa nach Alter, Bildung, Einkommen oder Wohnort. Gleichzeitig überschneiden sich politische und soziale Netzwerke zunehmend, wodurch Kontakte zu Menschen mit anderen politischen Ansichten seltener werden.
Unterschiede im politischen Engagement
Personen mit eher progressiven Positionen beteiligen sich häufiger an kollektiven Protestformen. Menschen mit eher konservativen Ansichten diskutieren dagegen häufiger über Politik – auch mit entfernteren sozialen Kontakten, etwa am Arbeitsplatz.
Insgesamt sehen die Forschenden darin eine Dynamik, in der sich emotionale Wahrnehmungen, soziale Netzwerke und politisches Verhalten gegenseitig verstärken. „Den Freund*innenkreis ausschließlich entlang der eigenen politischen Identität zu gestalten, kann ein Zugehörigkeitsgefühl vermitteln, geht jedoch häufig mit dem Risiko einher, anderen politischen Gruppen mit negativen Gefühlen zu begegnen“, sagt Diego Dametto. Dies könne langfristig demokratische Verständigungsprozesse erschweren.
Die Studie ist im Fachmagazin PNAS Nexus erschienen, den Link zur Studie finden Sie hier.
Empfohlene Zitierweise:
Dametto, D., Hechler, S., & Von Scheve, C. (2026). Emotionally aligned and structurally sorted: How opinion groups divide on climate and asylum. PNAS Nexus, pgag051. https://doi.org/10.1093/pnasnexus/pgag051



