Politik und Gefühle – Mit Emotionen den Zusammenhalt fördern
Interview mit Dr. Nadine Knab bei Deutschlandfunk Nova

Im Gespräch mit Diane Hielscher bei Deutschlandfunk Nova beleuchtet Nadine Knab die Rolle von Emotionen in der Politik und wie man mit ihnen umgehen kann.

Warum sind politische Debatten so emotional?
Weil politische Themen fast immer emotionale Themen sind: Sie berühren Identität („Wer sind wir?“), Sicherheit („Was bedroht mich?“) und Zukunft („Wie wird unser Leben morgen aussehen?“).Dazu kommt die Medienlogik: Emotionale Inhalte erzeugen Aufmerksamkeit und damit Reichweite. Das begünstigt Zuspitzung, Empörung und starke Gegensätze.

Warum eskaliert das besonders in Talkshows und öffentlichen Debatten?Talkshows sind selten ein Ort echter Annäherung. Oft kommen Gäste eher mit dem Mindset, zu überzeugen – vor allem das Publikum – statt zuzuhören, Kompromisse zu suchen oder Schwächen in der eigenen Argumentation einzugestehen. Das verstärkt Lagerdenken und macht Debatten weniger lösungsorientiert.

Was können wir tun, um besser damit umzugehen?
1) Aufmerksamkeit bewusst steuern und bessere Fragen stellen:Oft drehen sich öffentliche Debatten um vereinfachte Ja/Nein-Frames: „Migration – ja oder nein?“ oder „Migration – gut oder schlecht?“Diese Fragen erzeugen automatisch Lagerdenken. Hilfreicher sind Fragen, die Komplexität zulassen und Lösungen möglich machen:– Was sind konkret die Herausforderungen?Was läuft gut – und warum?Was läuft richtig schlecht – und was muss sich ändern?

2) Lokale soziale Stabilität stärken:Nicht nur „mehr Fakten“ – sondern mehr lokale soziale Stabilität. Gesellschaftlicher Zusammenhalt entsteht zuerst in in der Kommune, im Freundeskreis, im Kiez. Dort können wir lokale Zivilgesellschaft stärken – und sie ist es, die unsere Gesellschaft in Krisen ja tatsächlich trägt.Das wurde auch beim Stromausfall in Berlin im Januar 2026 sichtbar: In solchen Momenten sind es Nachbarschaft, lokale Netzwerke und pragmatische Hilfe, die den Alltag zusammenhalten

Welche Emotionen braucht Demokratie?Eine Vielzahl, aber vor allem auch Emotionen, die Verbindung und Handlungsfähigkeit stärken.Empathie könnte Polarisierung schwächen, weil sie den Reflex reduziert, andere als „Feindbild“ zu behandeln.Hoffnung ist demokratiestärkend, weil sie Ohnmacht in Gestaltung übersetzt: „Wir können etwas verändern.“

Hier geht es zum Interview mit Nadine Knab auf Deutschlandfunk Nova.