Civil Society Roundtable: „Interventionen zur Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts – Formate, Methoden und Wirkmechanismen“
Am 3. September 2026 fand unser dritter Civil Society Roundtable statt. Forschende und zivilgesellschaftliche Akteur:innen kamen an der Humboldt-Universität zu Berlin zu einem ganztägigen Austausch zusammen.

Einblicke aus der Forschung

Den Auftakt bildeten drei aktuelle Interventionsansätze aus unserer Einstein Research Unit:
Larissa Knöchelmann und Lucas Köhler (Humboldt-Universität zu Berlin) zeigten, dass Trainings zu Empathie und intellektueller Bescheidenheit – also der Bereitschaft, die eigenen Ansichten als möglicherweise falsch oder unvollständig zu begreifen – die Fähigkeiten, wie Perspektivübernahme fördern können. Wer diese Fähigkeiten stärkt, kann sich besser in die Perspektive Andersdenkender hineinversetzen und ihnen offener begegnen.

Die Kolleg:innen Stefanie Hechler, Diego Dametto und Mikkel Rasmussen (Freie Universität Berlin) stellten eine Online-Intervention zur Beobachtung des eigenen Verhaltens („Selftracking“) vor: Dabei halten die Teilnehmenden fest, wie oft sie im Alltag mit Familie, Freund:innen oder Kolleg:innen über Politik sprechen. Die Überlegung dahinter: Schon das Bewusstsein für die eigenen Gesprächsgewohnheiten kann dazu anregen, häufiger und bewusster ins politische Gespräch zu kommen – auch mit Menschen, die grundsätzlich anderer Meinung sind. 

Schließlich präsentierten Nadine Knab und Viviane Bagińska (Charité – Universitätsmedizin Berlin) einen experimentellen Ansatz, der aus dem weit verbreitetem Schwarz-Weiß-Denken herausführen soll. Statt politische Haltungen zwei gegnerischen Lagern zuzuordnen, geht es um ein differenzierteres Bild: Die Einstellungen anderer sind oft vielschichtiger und weniger extrem, als sie auf den ersten Blick wirken. Das kann die Gegenseite weniger bedrohlich erscheinen lassen und Raum für Dialog öffnen.

Gemeinsam zeigten die drei Beiträge, wie unsere Forschungerkenntnisse in wirksame Ansätze übersetzt werden können, um den schädlichen Folgen affektiver Polarisierung, wie Misstrauen und Feindseligkeit gegenüber Andersedenkender, entgegenzuwirken. 

Einblicke aus der Praxis

In einem interaktiven Praxisteil stellte Leonie Pessara (MAGNET – Werkstatt für Verständigung) das Dialogformat „Demoslam“ vor. Demoslam bringt Menschen mit unterschiedlichen Perspektiven zusammen, um kontroverse gesellschaftliche Themen konstruktiv zu besprechen. In praktischen Übungen zu Perspektivübernahme und aktivem Zuhören erlebten die Teilnehmenden selbst, wie das Format einen geschützten Raum schafft, in dem verschiedene Erfahrungen und Sichtweisen ausgetauscht und nebeneinander stehen können.

Am Nachmittag rückten Erfahrungen aus der Zivilgesellschaft in den Mittelpunkt:
Lea Pehnt und Lotte Kirch (Initiative für offene Gesellschaft e.V.) präsentierten ihr Projekt „DEPOLARIZE“, welches ein interaktives Toolkit zur Stärkung von Zusammenhalt in Schulen und an anderen öffentlichen Orten entwicklet und erprobt. Nicolas Stampe (ZADA e.V.) stellte „Challenge Your Perception“ vor – einen immersiven, 600 Quadratmeter großen begehbaren Parcours. Audiovisuelle Installationen laden ein junges Publikum dazu ein, sich durch erfahrungsbasiertes, sozialpsychologisches Lernen mit den Antisemitismus sowie mit dem Auswirkungen von Populismus und Desinformation für das demokratische Miteinander auseinanderzusetzen.

Die vorgetellten Ansätze machten deutlich, wie sich forschungsbasierte Ideen in Formate übersetzen lassen, die Menschen auch jenseits der Wissenschaft erreichen: im Klassenzimmer, im öffentlichen Raum und in Ausstellungen.

Abschlussdiskussion

Abschließend diskutierten die Teilnehmenden gemeinsam, was erfolgreiche Interventionen auszeichnet und unter welchen Bedingungen sie ihre Wirkung entfalten (hier habe ich einen Teilsatz gelöscht). Dabei zeigte sich: Forschung und Praxis verfolgen ganz ähnliche Ziele und profitieren davon, Ansätze zur Stärkung sozialen Zusammenhalts gemeinsam zu entwickeln, zu erproben und in die Lebenswelten der Menschen zu bringen.

Wir danken allen Teilnehmenden für die Einblicke in ihre Projekte, für die anregenden Fragen und Ideen und freuen uns darauf, den Austausch fortzusetzen!